Meine persönliche Zuckergeschichte

Unsere Vorliebe für Süßes hängt nicht nur mit der Evolution zusammen (der süße Geschmack eines Nahrungsmittels hat unseren Vorfahren verraten, dass es essbar und energiereich war und war daher gern gesehen), sondern wird auch stark dadurch beeinflusst, wie wir durch Familie und Gesellschaft geprägt worden sind.

Meine Zuckerliebe hat schon mit meiner Mutter angefangen. Sie ist in den 60er und 70er Jahren in einem kleinen Städtchen in der Ukraine aufgewachsen, wo es zu der Zeit nicht viele Süßigkeiten gab, die dazu noch sehr teuer waren. Ein Stück russisches Konfekt war für meine Mutter eine seltene Besonderheit. Manchmal brachten ihre Cousinen aus Moskau ihr eine Tüte Konfekt mit, wenn sie zu Besuch kamen. Davon zehrte sie dann monatelang. Damit ihr älterer Bruder, der Konfekt ebenso geliebt hat, ihre Ration nicht klaute, versteckte sie die Tüte unter ihrem Bett. Er aß seine Süßigkeiten immer sofort auf – und manchmal auch die seiner Schwester, wenn er sie fand.

Kurz vor der Wende heiratete meine Mutter meinen Vater und zog mit ihm nach Deutschland, wo ich in einer wachsenden Überflussgesellschaft das Licht der Welt erblickte. Der Liebe meiner Mutter für Schokolade (wohlgemerkt nur die zartbittere Variante!) waren nun keine wirtschaftlichen Grenzen mehr gesetzt und ich wuchs mit der Selbstverständlichkeit auf, Süßigkeiten essen zu dürfen, wann und wo ich wollte.

Unser stets gut gefüllter Süßigkeitenschrank war immer frei zugänglich und wenn ich auf etwas Bestimmtes Lust hatte („Maaaama, darf ich ein Überraschungsei haben?“), bekam ich es in der Regel auch. Außerdem buk meine Mutter regelmäßig sehr leckeren Kuchen, den ich leidenschaftlich zum Frühstück (!) oder Nachmittagstee verputzte. Meine Mutter wollte mir nicht vorenthalten, wonach sie sich als Kind so oft gesehnt hatte.

Im Teenageralter begann dann das Dilemma: Ich war zwar normalgewichtig, entsprach aber auch nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal, dem man als 16-jähriges Mädchen hinterherrennt. Ich begann, mir Gedanken darum zu machen, was für Lebensmittel ich zu mir nahm und welche davon dick machen könnten – und wurde ziemlich schnell mit dem „Problem Süßigkeiten“ konfrontiert. Da ich aber meine Liebe für Süßes sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hatte und überall im Haus Schokolade, Kekse, Gummibärchen und Kuchen ihr Unwesen trieben, war es für mich praktisch unmöglich, nicht zuzulangen. Ich blieb bei meinen Gewohnheiten.

Zehn Jahre später: Ich wohne zwar schon längst nicht mehr zu Hause, aber an meiner Zuckerliebe hat sich nicht viel geändert und die Versuchungen lauern weiter überall. Je mehr ich mich jedoch mit den negativen Auswirkungen von Zucker beschäftige (die sich nicht nur auf das Gewicht beziehen!), desto überzeugter bin ich davon, dass ich meinen Zuckerkonsum stark reduzieren möchte. Um das zu erreichen, muss ich jedoch meine eigene Zuckergeschichte überwinden, denn durch sie verbinde ich Süßes mit Mutterliebe, Geborgenheit und Wohltat. Nur wenn ich diese Gefühle und Erinnerungen vom süßen Geschmack trennen kann, wird es mir gelingen, mein Verlangen nach Süßigkeiten dauerhaft zu stillen.

Habt ihr auch eine persönliche Zuckergeschichte, auf die ihr zurückblicken könnt? Und hindert sie euch vielleicht daran, eure Ziele zu erreichen?

 

 

8 Kommentare bei „Meine persönliche Zuckergeschichte“

  1. Canadianpharmacy com online canadian pharmacy vipps pharmacy tech online certification

  2. 4 stars
    Canadian pharmacies mail order surrey bc reliable rx pharmacy hcg tylenol with codeine online pharmacy

Schreibe einen Kommentar