Liebst du noch Zucker oder liebst du schon dich selbst?

Autorin mit Händen zu Herz geformt

In letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Thema Selbstliebe beschäftigt. Kannst du aus tiefster Überzeugung sagen, dass du dich selbst ohne Wenn und Aber liebst? Egal, ob du gerade „stark“ warst und die ganze Woche gesund gegessen hast oder ob du „schwach“ warst und aus Heißhunger eine Tafel Schokolade verdrückt hast? Hast du schon einmal Süßigkeiten als Trost oder Belohnung gegessen, weil du unzufrieden mit dir selbst warst?

Ich gebe ganz offen zu: Selbstliebe fällt auch mir schwer. Neulich habe ich mich vor den Spiegel gestellt und versucht, zu mir zu sagen „Ich liebe mich.“ Dabei schwankte ich zwischen Belustigung und Scham, geschweige denn, dass ich intensive Liebesgefühle mir gegenüber empfunden hätte. Unsere Eltern, Freunde oder Partner zu lieben fällt uns leicht, doch bei sich selber hat man oft eine gewisse Hemmschwelle. Man will ja auch nicht selbstverliebt oder gar egoistisch wirken. Doch damit hat Selbstliebe nichts zu tun.

Die nächste Schwierigkeitsstufe: sich vor den Spiegel zu stellen und laut zu sich zu sagen: „Ich bin schön“, mit allen Makeln und Fettpölsterchen, aus tiefster Überzeugung. Oft denkt man, nur ein perfekter Körper sei schön und wenn man endlich 5, 10 oder 15 Kilo abgenommen hat, wird man sich endlich annehmen können. Doch wahre Selbstliebe beginnt hier und jetzt, ohne Konditionen. Denn jeder Mensch hat es verdient, von sich selbst geliebt zu werden. Das ist das größte Geschenk, das du dir machen kannst.
Auch bei der Ernährungsumstellung ist Selbstliebe eine große Kraftquelle. Wut auf sich selbst, Zwänge und Verbote, Strafen bei Regelverstoß – das alles klingt mehr nach Justizvollzugsanstalt als nach einer Verhaltensänderung, die dich gesünder und zufriedener machen soll.

Wenn du durch mehr Selbstliebe deine Ernährungsziele erreichen willst, dann können dir diese 5 Glaubenssätze dabei helfen:

1. Ich bin meine eigene beste Freundin.

Erinnere dich mal daran: Warum hast du dich für die Ernährungsumstellung entschieden? Um dich gesünder, ausgeglichener, wohler zu fühlen? Also im Endeffekt: um dir etwas Gutes zu tun. Wenn das Ganze aber in Schuldgefühlen und Selbstzweifeln mündet, wenn es nicht so klappt wie du es dir vorstellst, dann hast du dein Ziel eindeutig verfehlt. Sobald du also diese negativen Gefühle bei dir entdeckst, versetzte dich mal in die Lage deiner besten Freundin. Was würde sie in dieser Situation zu dir sagen? Würde sie dich runtermachen? Wahrscheinlich nicht. Sie würde dich trösten, dich in den Arm nehmen und dir sagen, dass das doch alles nicht so schlimm ist und sie dich auch mit deinen Fehlern und Schwächen gern hat. Wenn es dir noch schwerfällt, sowas zu dir selbst zu sagen, stell dir einfach vor, was du zu deiner besten Freundin sagen würdest, wenn sie in deiner Situation wäre. Dadurch kannst du deinen inneren Kritiker zum Schweigen bringen und dir selbst mit Liebe und Verständnis gegenübertreten.

2. Ich bin geduldig mit mir.

Es ist ganz normal, dass deine Vorsätze nicht gleich perfekt klappen. Wahrscheinlich hast du dich jahrzehntelang auf eine bestimmte Weise ernährt. Die meisten von uns kennen und lieben Süßigkeiten, seit wir klein waren. Noch dazu begegnet uns Süßes überall im Alltag. Du kannst nicht von dir erwarten, dass du deine alten Gewohnheiten von einem Tag auf den anderen ablegen kannst. Wenn du also mal keine Zeit hattest, etwas Gesundes zu kochen (ich greife auch gelegentlich mal zur Tiefkühlpizza) oder beim Filmabend doch mal zur Chipstüte gegriffen hast, genieße es in dem Moment einfach und sage dir, dass du morgen wieder mit deinen Vorsätzen weitermachen wirst. Aber frage dich auch, warum du deinen Vorsätzen heute nicht gefolgt bist. Zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, eine wichtige Mahlzeit ausgelassen? Mir fällt es z. B. auf Dienstreisen sehr schwer, gesund zu essen, weil ich dann nicht selber kochen kann und mein Tagesrhythmus durcheinander ist. Wenn du den Grund für dein Verhalten kennst, bringt dich das von der emotionalen Ebene der Selbstzweifel („Warum kann ich bloß meine Ziele nicht erreichen?“) auf die rationale Ebene der Lösungsfindung („Beim nächsten Mal lasse ich das Mittagessen nicht aus“).

3. Ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Hast du schon einmal ein Stück Kuchen auf einer Geburtstagsparty angenommen, um jemand anderen nicht zu verletzen? Hast du dich schon einmal nicht getraut zu sagen, dass du keinen Zucker isst aus Angst vor der Reaktion deines Gegenübers? Dann hast du in dem Fall die Gefühle und Meinungen der anderen Person vor deine eigenen gestellt. Aber Fakt ist: Das wichtigste ist es, dass es dir gut geht und dass du dich wohl fühlst. Natürlich solltest du andere Menschen nicht bewusst verletzen, aber wenn deine Freundin beleidigt ist oder dich auslacht, weil du Nein zum Kuchen sagst, dann ist das im Grunde genommen ihr Problem. Vielleicht solltest du diese Freundschaft dann auch nochmal überdenken, denn diese Person scheint dich in deinen Zielen nicht zu unterstützten. Meistens passiert aber sogar das Gegenteil, wenn du deine Meinung klar und freundlich kommuniziert. Viele finden es gut, wenn man klare Grenzen setzt.

4. Ich bin gut genug.

Egal wo du gerade bei deiner Ernährungsumstellung bist, ob ganz am Anfang oder schon fast am Ziel – so wie du jetzt bist, bist du gut genug. Ob Naschkatze mit ein paar überschüssigen Pfunden oder zuckerfreier Sportfreak, jeder Mensch ist wertvoll so wie er jetzt ist. Du gewinnst oder verlierst nicht an Wert, wenn du dich gesünder ernährst oder dünner geworden bist. Wenn du etwas an dir verändern möchtest, dann um dein Wohlbefinden zu steigern und nicht in der Hoffnung, dass du danach ein tollerer, bewundernswerter Mensch sein wirst. Denn am Ende bleibst du immer du und du selbst und kannst genauso wie du jetzt bist glücklich sein.

5. Ich übernehme Verantwortung für mein Leben.

Verantwortung zu übernehmen heißt zu realisieren, dass nur du dein Leben ändern kannst. Ich kenne einige Frauen, die sich ständig darüber beschweren, dass sie zugenommen haben, dass sie gerne mehr Sport machen würden, dass sie gerne gesünder kochen würden, und und und. Aber sie tun es einfach nicht. Klar, manchmal fehlt die Zeit oder die Motivation, aber wer soll etwas in deinem Leben ändern, wenn nicht du selbst? Du hast es in der Hand, dein Leben nach deinen Wünschen zu gestalten. Durch deine täglichen Entscheidungen und Handlungen kannst du deinem zufriedenen Ich immer näher kommen.

Selbstliebe zu üben und sich diese Glaubenssätze im Alltag immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, kann dir nicht nur dabei helfen, gesünder zu leben, sondern auch in allen anderen Bereichen (Arbeit, Partnerschaft usw.) ein erfülltes und zufriedenes Leben zu führen. Manchmal, wenn ich einen anstrengenden Tag vor mir habe oder in einer schwierigen Lebensphase bin, sage ich mir: „Meine einzige Aufgabe heute ist, mich selbst zu lieben.“ Alle Entscheidungen fallen dann um einiges leichter. Denn eine Tafel Schokolade zu verdrücken, fällt bestimmt nicht unter Selbstliebe 😉

Schreib mir gerne in die Kommentare, wie weit du schon mit dem Thema Selbstliebe bist. Findest du es eher schwierig oder bist du schon ein Selbstliebe-Pro? Wo sind deine Challenges oder was für Tipps hast du? Ich freue mich über eure Gedanken dazu!

Ein Kommentar bei „Liebst du noch Zucker oder liebst du schon dich selbst?“

  1. ein schöner Artikel! Gerade wenn man zuckerfrei lebt wird man ja oft gefragt, ob man sich denn „gar nix mal gönnt“. Und da kann ich nur sagen: ja, ich gönne mir auch mal was. Aber eben keinen Zucker, weil der mir nicht gut tut. Mein Körper arbeitet jederzeit für mich, da möchte ich ihn doch mit guten Sachen „betanken“!

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